Januar 2022

Unsere Veranstaltungen im Januar 2022

Montag, 24.01. – Freitag, 28.01.

Online-Zeitzeugenvorträge von Frau Dr. Michaela Vidláková (Prag)

Nach corona-bedingter Pause im letzten Jahr war für 2022 zunächst wieder ein Besuch von Frau Vidláková im Siegerland geplant, bei dem sie, Überlebende des KZ Theresienstadt, in Schulen und öffentlichen Einrichtungen
von ihren Erlebnissen zur Zeit des Holocaust berichten wollte. Im Hinblick auf die aktuelle Corona-Lage erschien es uns jedoch zu riskant, diese Veranstaltung in Präsenz stattfinden zu lassen, so dass wir uns gemeinsam mit Frau Vidlákóva letztend­lich gegen den geplanten Besuch entschieden haben. Zu unserer großen Freude hat sich Michaela Vidláková jedoch bereit erklärt, die Vorträge online zu halten, so dass die Termine des prall gefüllten Wochenplans trotzdem umgesetzt werden können, wenn auch „nur“ virtuell.

Einer der Vorträge von Michaela Vidláková findet als öffentliche Abendveranstaltung statt, zu der Sie herzlich eingeladen sind (Anmeldung unbedingt erforderlich!):

Mittwoch, 26.01., 19:00 Uhr

Mitveranstalter: SPD Ortsverein Freudenberg

Anmeldung unter: info@spd-freudenberg.de oder cjz.siegen@t-online.de (bis 25.01., 16 Uhr)

Die Zugangsdaten erhalten Sie nach Anmeldung rechtzeitig vor der Veranstaltung per E-Mail.

Weitere Informationen gibt es hier: Einladung Vidláková 

 

Donnerstag, 27.01. – Internationaler Holocaust-Gedenktag

Die Gedenkfeier, die wir üblicherweise gemeinsam mit der Stadt Kreuztal an diesem Tag ausrichten, fällt aufgrund des Pandemie-Geschehens leider erneut aus. Es findet lediglich ein stilles Gedenken mit Kranzniederlegung durch den Bürgermeister Walter Kiß und Ratsver­tretern statt.

 

Donnerstag, 27.01., 19:00 Uhr (deutsche Zeit)

„Die Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden – die Geschichte des kleinen Mädchens Kathe Schulze“ – Virtuelles Zeitzeugengespräch via Zoom

 Diese Online-Veranstaltung am internationalen Holocaust-Gedenktag findet in Kooperation mit der Kreisverwaltung unserer israelischen Partnerregion Emek-Hefer sowie dem Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein statt. Bitte entnehmen Sie weitere Details diesem Flyer:

The ability to choose between good and evil – International Holocaust Remembrance Day 27.1.2022

 

Februar 2022

Unsere Veranstaltungen im Februar 2022

Sonntag, 27.02., 16:00 Uhr

Vernissage der Gemeinschaftsausstellung „Jeder Mensch ist eine Perle – Tell your Story“ von Petra Georg-Achenbach und Grigory Berstein
Kunstausstellung zur Woche der Brüderlichkeit mit dem Thema „Fair Play – Jeder Mensch zählt“

Musikalische Begleitung während der Vernissage durch die Fritz-Busch-Musikschule Siegen

Veranstaltungsort: Städtische Galerie Haus Seel, Kornmarkt 20, Siegen

Künstlerische Gestaltung: Grigory Berstein und Petra Georg-Achenbach

Schirmherr: Landrat Andreas Müller

Mitveranstalter: Kultur Siegen

Das Motto der Woche der Brüderlichkeit 2022 lautet: „Fair play – Jeder Mensch zählt“. Grigory Berstein und Petra Georg-Achenbach haben sich von diesem Motto inspirieren lassen und stellen in einer gemeinsamen Ausstellung ihre je eigenen Sichtweisen zur Diskussion. Bei aller Unterschiedlichkeit der Ausdrucksweisen wird die Wertschätzung der Künstler für jeden Menschen deutlich.

Jeder Mensch hat eine Geschichte. Und er will sie anderen erzählen. „TELL YOUR STORY“ heißt Grigory Bersteins neue Arbeitsserie.In seinen Bildern erzählt er vom menschlichen Zusammensein, von Wärme, Anteilnahme und Zugehörigkeit – in Zeiten der Zurückgezogenheit und Isolation eine Erinnerung an das, was wir alle so schmerzlich vermissen.

Mit ihrer Kunst-Installation „Jeder Mensch ist eine Perle“ möchte die Diplom-Designerin und Goldschmiedin Petra Georg-Achenbach für mehr Humanität werben und neu auf die Situation von Ertrunkenen im Mittelmeer aufmerksam machen. Was hinlänglich dokumentiert auf dem Meer geschieht, bekommt durch das Ansehen tausender Perlen eine neue erschütternde Dimension und Tragweite.
Gefördert wird dieses Kunstprojekt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW im Rahmen der NRW-Corona-Hilfen.

Die Ausstellung ist bis zum 20.03.22 zu den üblichen Öffnungszeiten der Städtischen Galerie Haus Seel zu besichtigen.

 

 

 

März 2022

Unsere Veranstaltungen im März 2022

Woche der Brüderlichkeit
Rahmenprogramm

Veranstaltungsort:

Alle Veranstaltungen des Rahmenprogramms zur Woche der Brüderlichkeit, bis auf die Veranstaltung „Antisemitismus im Fußball“ am 17.03., finden in der Städtischen Galerie Haus Seel, Kornmarkt 20, Siegen statt.
Der Besuch ist kostenlos; über eine Spende würden wir uns freuen.

Bitte beachten Sie beim Besuch der Veranstaltungen die gültigen Coronabestimmungen.

 

Sonntag, 06.03.2022, 16:00 Uhr

„Sterne, sie machen unsere Welt weit“ (Margarete Susman) – „Margarete Susmans Gespräch mit Ernst Bloch und Gustav Landauer“
Vortrag und Lesung mit Dr. Marlies Obier und Werner Stettner am 6. März 2022 um 16 Uhr in der Städtischen Galerie Haus Seel Siegen.
Als Schriftstellerin, Publizistin und Philosophin galt Margarete Susmans Aufmerksamkeit immer Menschen, deren Leben und Ideen ein kämpferischer Dialog mit ihrer Zeit war.
Sie schrieb über das Leuchten von Sternen, die Licht in ein ganzes dunkles Jahrhundert brachten.

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 13.03.2022, 16:00 Uhr

Klezmer mit Jörn Heller und „Dreifachkrach“
Musik und Literatur aus Israel mit dem Siegener Autor, Buchhändler und Musiker Jörn Heller und
seiner Band „Dreifachkrach“ anlässlich der Doppelausstellung.

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 17.03.2022, 19:00 Uhr

Antisemitismus im Fußball – Und was wir dagegen tun können
Antisemitismus offenbart sich vor allem im „Brennglas Sport“ immer wieder in verbaler, visueller oder physischer Diskriminierung. Insbesondere im Kontext des Fußballs
werden antisemitische Verhaltensweisen teils widerspruchlos geduldet, gar nicht erst erkannt oder häufig bagatellisiert.
MAKKABI Deutschland e.V., als jüdischer Turn-und Sportverband, gibt Einblicke in das Problemfeld und stellt anhand seines Präventionsprojekts „Zusammen1- Für das, was uns verbindet“
Lösungsansätze aus der Praxis vor.
Im Anschluss an den Vortrag findet eine Frage-Antwort-Runde statt. Mitveranstalter ist der Kreissportbund Siegen-Wittgenstein.

Hinweis: Die Veranstaltung findet online via Zoom statt. Ihre Anmeldung senden Sie bitte bis spätestens zum 15.03.2022 an cjz.siegen@t-online.de. Sie erhalten daraufhin den Zugangslink zur Zoom-Konferenz per E-Mail.

 

 

 

 

 

Sonntag, 20.03.2022, 16:00 Uhr

Lesung mit Annika Schilling
Die in Siegen gebürtige Schauspielerin ist Ensemblemitglied am Theater Bonn und liest Texte zum Thema Flüchtlinge als Begleitveranstaltung zur Ausstellung „TELL YOUR STORY“ & „Jeder Mensch ist eine Perle“.

 

Alle wissenswerten Details über obige Veranstaltungen finden Sie hier: Einladung_WDB 2022

Herzliche Einladung!

 

 

 

 

April 2022

Unsere Veranstaltungen im April 2022

Dienstag, 05.04.2022, 19:00 Uhr

„Mein Leib für euch“ – Wer ist hier gemeint?
Vortrag zu einer zentral jüdisch-christlichen Frage von Pfr. i.R. Matthias Weissinger

Im Titel dieses geplanten Vortrages mit anschließender Diskussionsmöglichkeit steht in den Anführungszeichen ein Zitat (in deutscher Übersetzung) aus dem Lukasevangelium. Es ist dort (Kap. 22 Vers 19) ein Wort Jesu, das sich so innerhalb der Schriften des sog. Neuen Testamentes nur dort findet. Und von dort so oder ähnlich eingegangen ist in Katechismen und Agenden als „Einsetzungswort“ und „Spendeformel“, „Konsekrationsformel“ oder „Transsubstantiationsformel“.

Der erste Teil dieses Zitates, die Wörter „DAS ist mein Leib“, lateinisch „HOC est corpus meum“ (davon „Hokuspokus“?) findet sich dagegen wortgleich in allen ntl. Parallelstellen zu Luk 22,19 bei Matthäus, Markus und Paulus (vgl. 1. Kor. 11). Nicht bei Johannes.

Bei Johannes redet Jesus von einem Essen und Trinken seines Fleisches und Blutes, nicht seines Leibes und Blutes. Bei ihm gibt es kein Passamahl am Sederabend, gibt es kein jüdisches Deutungswort Jesu zur Mazze am Sederabend. Und seine Wortwahl führte nach Joh 6,66f dazu, dass „viele“ Jünger Jesu fortan nicht mehr mit Jesus gingen. Und fragte Jesus „die Zwölf“ (= nicht die Zahl „der“ Apostel, sondern das Institut einer Israel-Signatur!), ob sie auch gehen wollen.

Der Vortrag will die Ausgangsfrage behandeln anhand der durch Großbuchstaben hervorgehobenen Stichworte und ihrer Erörterung in deren Reihenfolge.
Es geht also um eine konkrete, längere Geschichte eines (im mehrfachen Sinne des Wortes) „Auseinandergehens“ – erst in Israel und Kirche, dann von Juden und Christen. Von einem „Auseinandergehen“ redet man ja im Deutschen sowohl bei Trennungen als auch bei einer Gewichtszunahme. Man kann die Frage dieses Vortrages am Ende dann auch so stellen: Wer bringt da dann realgeschichtlich (im vgl. Blick auf Stellen wie Röm 5, 15+18 u. Joh 18,8) Was für Wen?

(Text Matthias Weissinger)

Veranstaltungsort: Haus der Kirche, Raum U1, Burgstraße 21, Siegen

Mitveranstalter: Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen

Hinweis: Da die Platzanzahl begrenzt ist, wird um eine vorherige Anmeldung bei der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland unter cjz.siegen@t-online.de gebeten.

05.04.22: Die Veranstaltung fällt leider kurzfristig coronabedingt aus. Wir bitten um Ihr Verständnis!

Das Manuskript zum Vortrag, das uns Herr Weissinger freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, finden Sie hier:

2022_04_05_Vortrag_M_Weissinger_ Leib Christi

 

 

Donnerstag, 14.04. – Sonntag, 01.05.

#StolenMemory: Überlebende und Angehörige von Betroffenen gesucht

Caritasverband und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland präsentieren Wanderausstellung der Arolsen Archives

„#StolenMemory“ lautet der Titel einer Wanderausstellung, die der Caritasverband Siegen-Wittgenstein und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland vom 14. April bis 1. Mai 2022 am Jakob-Scheiner-Platz in Siegen zeigen werden. Initiator sind die Arolsen Archives, die mit der Kampagne zur Rückgabe persönlicher Gegenstände – sogenannter Effekten – ehemaliger KZ-Häftlinge an ihre Angehörigen beitragen möchten. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland setzt sich auch aktiv für die Bewahrung der noch erhaltenen, vielfältigen Zeugnisse jüdischer Geschichte ein und unterstützt daher diese wichtige Kampagne.

„Im Zweiten Weltkrieg haben die Nationalsozialisten den Menschen in den Konzentrationslagern ihre persönlichen Gegenstände abgenommen. Als Mitveranstaltende wollen wir gemeinsam mit der Arolsen Stiftung dazu beitragen, dass die Effekten an die Hinterbliebenen übergeben werden können“, berichtet Matthias Vitt, Vorstand vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein. In den Arolsen Archives befinden sich noch rund 2.500 Umschläge mit persönlichen Gegenständen, die NS-Verfolgten aus über 30 Ländern gehörten – überwiegend aus Polen, Deutschland und der ehemaligen Sowjetunion. Die Effekten sind den Arolsen Archives in den 1960er Jahren mit dem Auftrag ausgehändigt worden, sie an Überlebende oder die Familien Betroffener zurückzugeben.“ In den 1980er Jahren wurde die aktive Suche allerdings zunächst eingestellt, weil mit den damaligen Möglichkeiten immer weniger Familien gefunden werden konnten“, weiß Tobias Bender, Mitarbeiter der youngcaritas Siegen.

„Es ist höchste Zeit, den entgegengenommenen Auftrag aus den 1960er-Jahren mit den heutigen technischen Mitteln abzuarbeiten. Wir alle stehen in der Pflicht dafür zu sorgen, dass die rechtmäßigen Eigentümer:innen wieder in den Besitz der geraubten Gegenstände kommen können. Zudem ist das Projekt wichtig, um daran zu erinnern, dass die Geschichte diese himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die in den Holocaust mündeten, niemals vergessen darf“, sagt Raimar Leng, der Ev. Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V..

Im Rahmen der Fördermaßnahme „Kultur in ländlichen Räumen“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurde nun eine mobile Wanderausstellung in einem Überseecontainer installiert, die zur Identifikation weiterer Angehöriger beitragen soll. Die #StolenMemory-Austellungscontainer werden durch eine Website, eine App sowie pädagogisches Bildungsmaterial begleitet, das über die individuellen Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus informiert. Gleichzeitig geht es darum, Aufmerksamkeit für die Arbeit der Organisation und damit auch neue Helferinnen und Helfer für die Suche zu gewinnen.

Dank der Unterstützung der U.S.-amerikanischen diplomatischen Vertretungen in Deutschland und Polen wandert die Ausstellung durch beide Länder und ist sowohl in Deutsch als auch in Polnisch verfügbar. Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfangreichsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus.

Die Ausstellung „#StolenMemory“ am Jakob-Scheiner-Platz in Siegen kann vom 14. April bis 1. Mai 2022 täglich von 9 bis 19 Uhr besucht werden. Am Mittwoch, 20. April, findet um 16 Uhr eine Begleitveranstaltung statt, bei der es unter anderem eine inhaltliche Einführung zur Ausstellung durch eine Vertreterin der Arolsen Archives geben wird.

Weitere Infos zu den Arolsen Archives und der Ausstellung finden Sie hier:

www.arolsen-archives.org.

 

 

Mai 2022

Unsere Veranstaltungen im Mai 2022

Donnerstag, 05.05., 18:30 Uhr

Wem gehört die Geschichte? Dialogforum Straßenumbenennungen

Geschichte ist nicht einfach da und unveränderlich – sie wird gemacht. An was wir uns aus der Vergangenheit erinnern möchten und an was lieber nicht, das zeigt sich in Büchern, Film und Fernsehen, Gedenkstätten und Museen, Schule, Wissenschaft… und auch bei der Benennung von Straßen, Gebäuden und Plätzen. Gerade dort zeigt sich jedoch auch, dass Geschichte oft nur von einigen wenigen gemacht wird und oft eine Geschichte „großer Männer“ ist. Doch wer waren eigentlich die Personen, die mit Straßennamen geehrt werden? Und wer taucht dort nicht auf und bleibt im Stadtbild einfach unsichtbar? Diesen Fragen möchten wir gemeinsam mit Siegerländer Bürgerinnen und Bürgern nachgehen. Deshalb laden das Aktive Museum Südwestfalen und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland Sie herzlich ein zum offenen Dialogforum. Wir beginnen mit Kurzvorträgen und schließen an mit einer Podiumsdiskussion.

Die Veranstaltung findet in der Martinikirche, Grabenstraße 27 in Siegen statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es gelten die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen. Wir bitten dennoch um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Nutzen Sie die Chance und beteiligen Sie sich aktiv an der Erinnerungsarbeit in unserer Region!

 

Mittwoch, 11.05., 19 Uhr

Erinnerung und Vergegenwärtigung.
Kaddisch nach einem Lebenden (1969) von Karl Fruchtmann

Akademie der Künste, Berlin
Akademie der Künste, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

Ein herausragender, aber völlig vergessener Fernsehfilm über die Schreckenserfahrung  der nationalsozialistischen Konzentrationslager.

Vorgestellt von:
Günther Wedekind (Kameramann des Films) und Prof. Dr. Karl Prümm (Professor für Literatur- und Medienwissenschaft, Philipps-Universität Marburg) mit Filmvorführung

Ort: Viktoria Filmtheater, Bernhard-Weiß-Platz 6, Hilchenbach-Dahlbruch

Eintritt frei!

Der Autor und Regisseur Karl Fruchtmann (1915 –2003) hat Terror und Gewalt der Nationalsozialisten am eigenen Leib erfahren. Unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 waren er und seine jüdische Familie, die in der sächsischen Kleinstadt Meuselwitz ein Kaufhaus betrieb, Drangsalierung und Verfolgung ausgesetzt. Mit perfiden Methoden wurde die Familie ihres Vermögens beraubt. Bevor Karl Fruchtmann 1937 nach Palästina emigrierte, war er beinahe ein Jahr in den Konzentrationslagern Sachsenburg und Dachau inhaftiert. 1958 kehrte er in die Bundesrepublik zurück und realisierte zwischen 1961 und 1999 an die 50 Fernsehfilme, darunter zahlreiche Sendungen, die sich intensiv mit der Ermordung der europäischen Juden auseinandersetzen. Karl Fruchtmann ist ohne Zweifel der wichtigste Dokumentarist und Erzähler des Holocaust im deutschen Fernsehen. Und dennoch ist er heute unbegreiflicherweise völlig vergessen.

 Kaddisch nach einem Lebenden (1969) ist sein persönlichster Film. Die Hauptfigur Peri, ein Überlebender der deutschen Konzentrationslager, ist als sein alter ego angelegt, Ort des Geschehens ist das Tel Aviv der Gegenwart. Der Film konzentriert sich ganz auf die jüdischen Opfer. Terror und Gewalt der Lager werden ausschließlich in Erinnerungs- und Vorstellungsbildern dargestellt, die zunächst als Erinnerungsfragmente, als kurze Flashbacks in der Alltagswahrnehmung Peris aufblitzen, der sich der lebendigen Gegenwart Tel Avivs scheinbar ganz unbeschwert hingibt. Doch das bislang Verdrängte bemächtigt sich Schritt für Schritt der Gegenwart. Erst im Prozess der Erinnerung wird Peri schließlich das ganze Ausmaß der Entmenschlichung und des Leidens der Konzentrationslager bewusst. Um zu diesem Erkennen zu gelangen, muss Peri, der glücklich Davongekommene, ganz von sich absehen und die Erinnerung auf den von allen ausgelachten Außenseiter, auf den Mithäftling Johannes Bach lenken, der danach als eigentlicher Protagonist des Films, als standhafter Märtyrer und  Symbolfigur des Holocaust erscheint. Dieser radikale Erinnerungsfilm zeigt zudem den jüdischen Alltag in Israel präzise und detailreich – eine absolute Seltenheit im deutschen Fernsehen.

In seinen ästhetischen Mitteln ist Kaddisch nach einem Lebenden absolut auf der Höhe der Zeit. Der Film schließt sich den revolutionären Darstellungsformen der Nouvelle Vague an und adaptiert gleichzeitig das epische Theater von Bertolt Brecht. Die experimentellen Formen verbindet er mit emotionaler Wirksamkeit. Angesichts des gerade neu entfachten Antisemitismus und der Wiederkehr einer rassistisch motivierten Gewalt ist dieses eindrucksvolle Dokument der Erinnerungskultur von brennender Aktualität. Kaddisch nach einem Lebenden muss unbedingt der Vergessenheit entrissen werden.

Text: Prof. Dr. Karl Prümm

 

Mittwoch, 18.05., 19 Uhr

Mitgliederversammlung

Veranstaltungsort: katholisches Pfarrheim St. Michael, St.-Michael-Str. 5, Siegen

 

 

Juni 2022

Unsere Veranstaltungen im Juni 2022

Donnerstag, 09.06., 19 Uhr

Wie Jesus zum „Arier“ wurde –
Das Eisenacher „Entjudungsinstitut“ und der Antisemitismus Walter Grundmanns

Ein Vortrag von Dr. Torsten Lattki

Dr. Torsten Lattki; © DKR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Walter Grundmann war der wissenschaftliche Leiter und die prägende Figur des von 1939 bis 1945 bestehenden Eisenacher „Entjudungsinstituts“. Er und die über 200 Mitarbeiter waren zutiefst von Hitler und dem Nationalsozialismus überzeugt und verfolgten das Ziel, ein „artgerechtes Christentum“ für Deutsche zu schaffen. Indem sie Jesus als „Arier“ konstruierten sowie Bibel, Gesangbuch und Katechismus umschrieben und neu ordneten, wurde christliche Theologie und Kirchenpraxis „entjudet“.
Dr. Torsten Lattki erläutert in seinem Vortrag, wie das Institut entstand und wie und mit welchen Folgen dort gearbeitet wurde. Zudem zeigt er, wie der Neutestamentler Walter Grundmann einen nichtjüdischen Jesus im Kampf gegen das Judentum konstruierte und ein Christentum in nationalsozialistischen Kategorien erschaffen wollte.
Schon bald nach 1945 bekleidete er wieder diverse Stellen in Kirche und Theologie und avancierte zu einem der erfolgreichsten Theologen der DDR. Er sah das Judentum weiterhin als verworfene Religion ohne Existenzberechtigung und hielt an seinen menschenverachtenden Ansichten fest. Mit seinen Kommentaren zum Neuen Testament, die noch heute in vielen Bibliotheken stehen, prägte er zahlreiche Theolog*innen und Pfarrer*innen.
Dr. Torsten Lattki hat den „Ernst-Ludwig-Ehrlich-Masterstudiengang: Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch-Christlichen Beziehungen“ an der Freien Universität Berlin absolviert und war von 2015 bis 2020 Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben. Seit 2021 ist er Studienleiter für interreligiösen Dialog und gegen Antisemitismus beim Deutschen Koordinierungsrat.
Mit Walter Grundmann und dem „Entjudungsinstitut“ beschäftigt er sich seit dem Studium und hat dazu publiziert und referiert. 2015 erschien seine Dissertation über Leben und Werk des Religionsphilosophen und Rabbiners Benzion Kellermann (1869 – 1923).

Text: Dr. Torsten Lattki

Die Veranstaltung findet als Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Weidenau und Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen statt. Veranstaltungsort ist das Ev. Gemeindezentrum Weidenau, Setzer Weg 4, Siegen-Weidenau.

Juli 2022

Unsere Veranstaltungen im Juli 2022

Im Juli finden keine Veranstaltungen statt.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Sommer- und Ferienzeit.

August 2022

Unsere Veranstaltungen im August 2022

Im August finden keine Veranstaltungen statt.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Sommer- und Ferienzeit.

September 2022

Unsere Veranstaltungen im September 2022

Dienstag, 06.09., 19 Uhr

„ÜberLeben – Berlin – Givatayim“ – Ein Film von Anat Manor

© Anat Manor

 

 

 

 

 

 

Bewohnerinnen und Bewohner des Berliner Jeanette-Wolff-Seniorenzentrums und des israelischen Altenheims Mishan Givatayim erzählen von ihren Kindheitserinnerungen und mehr. 14 Menschen, deren Wurzeln u. a. in Deutschland, Litauen, China, Argentinien, den Niederlanden oder in Rumänien liegen, führen uns in die dunklen Zeiten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Seniorinnen und Senioren erzählen von extrem schwierigen Lebenserfahrungen, beeindrucken aber auch mit ihrer optimistischen Willenskraft. In wechselnden Szenen bilanzieren sie ihr Leben und erzählen, was sie rückblickend, wenn überhaupt, lieber anders gemacht hätten. Die in Berlin lebende israelische Künstlerin Anat Manor lässt uns an sehr unterschiedlichen Lebens- und Überlebensgeschichten teilhaben, die um Leben, Liebe und Tod kreisen, aber auch um Fragen wie diese: Würde Israel auch ohne den Holocaust existieren? Sollten alle Juden in Israel leben? Was wollen wir an die nächste Generation weitergeben?
Zu den Höhepunkten zählen berührende Szenen gemeinsamer Kunstworkshops der Bewohnerinnen und Bewohner mit drei- bis vierjährigen Kindern in den Seniorenzentren. So bleibt der Film nicht der Vergangenheit verhaftet, sondern wagt eine generationenübergreifende Zukunftsperspektive.

Die Filmvorführung findet als Kooperation mit der Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen statt. Veranstaltungsort ist das Ev. Gemeindezentrum Weidenau, Setzer Weg 4, Siegen-Weidenau. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Wir bitten um eine vorherige Anmeldung. Zum Anmeldeformular gelangen Sie über die Homepage der Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen unter folgendem Link:

Anmeldeformular 

Alternativ können Sie Ihre Anmeldung auch an folgende E-Mail-Adresse schicken:

eeb@kirchenkreis-siegen.de

 

Mittwoch, 14.09., 13:30-17:30 Uhr

Alltäglicher Antisemitismus in der Schule – Fachtag für pädagogische Fachkräfte

Der Fachtag beschäftigt sich mit dem Phänomen des alltäglichen Antisemitismus in der Schule. In thematisch verschiedenen Workshops können sich pädagogische Fachkräfte mit der Entstehung, den unterschiedlichen Erscheinungsformen und Handlungsmöglichkeiten zum alltäglichen Antisemitismus auseinandersetzen.

Den Hauptvortrag mit dem Titel „Das alte und neue Gespenst. Israel-bezogener Antisemitismus als moderne Jugendkultur“ hält der in Berlin lebende deutsch-israelische Psychologe und Autor Ahmad Mansour.

Veranstaltungsort ist das Hörsaalzentrum Unteres Schloss 3, 57072 Siegen.

Weitere Informationen zum Hauptvortrag und zu den Workshops finden Sie im beigefügten Flyer. Über den Flyer gelangen Sie auch zum Anmeldetool.

Flyer-Fachtag-Alltäglicher-Antisemitismus-in-Schule

Mitveranstalter:
Aktives Museum Südwestfalen
Impuls e.V.
Universität Siegen
Kreis Siegen-Wittgenstein

 

Mittwoch, 28.09., 19 Uhr

„Ich bin noch nie einem Juden begegnet …“ – Lebensgeschichten aus Deutschland
Eine Lesung des Schauspielers, Autors und Publizists Gerhard Haase-Hindenberg

© Gerhard Haase-Hindenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ich bin noch nie einem Juden begegnet …“. Diesen Satz haben die meisten Jüdinnen und Juden schon einmal gehört. Aus Anlass des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erzählt Gerhard Haase-Hindenberg in seinem 2021 erschienenen Buch von der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland. Von Dagmar, die sich hinter dem Rücken des jüdischen Vaters ausgerechnet für den Polizeidienst bewirbt; von Marina, die aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland gekommen ist und erst hier mit der religiösen Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert wird; und von David, dem aus New York stammenden Jazzmusiker, der in Berlin die „jüdischste Stadt“ Deutschlands entdeckt. Da ist der jüdische Bundeswehrarzt der bewusst auch im Dienst die Kippa trägt und der wissenschaftliche Mitarbeiter am Karlsruher Kernforschungszentrum, der seinen jüdischen Glauben auch aus der Mathematik herleitet. All diese Geschichten vom Alltag in Deutschland lebender Jüdinnen und Juden, ihre Geschichten und Erfahrungen, ihre Hoffnungen und die Bedrohungen durch den steigenden Antisemitismus verwebt der Autor mit Erklärungen zu Symbolen, Glaubenspraxis und Geschichte.

Gerhard Haase-Hindenberg lebt in Berlin und ist ausgebildeter Schauspieler. Er arbeitete zudem viele Jahre als Autor für Fernseh- und Hörfunkformate und als Publizist für unterschiedliche Zeitungen.

Die Lesung findet im Rahmen der Interkulturellen Tage 2022 der Stadt Siegen statt. Veranstaltungsort ist das Aktive Museum Südwestfalen, Obergraben 10, 57072 Siegen. Das Aktive Museum ist gleichzeitig unser Kooperationspartner bei dieser Veranstaltung. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Ihre vorherige Anmeldung schicken Sie bitte per E-Mail an cjz.siegen@t-online.de.

 

Bitte beachten Sie beim Besuch aller Veranstaltungen die aktuell gültigen Coronaschutzbestimmungen.

 

 

Oktober 2022

Unsere Veranstaltungen im Oktober 2022

Sonntag, 23.10., 16 Uhr

Max Liebermann (1847-1935)
Vortrag und Lesung von Dr. Marlies Obier und Werner Stettner

 

 

 

 

 

Nicht allein seine Bilder und seine Kunst sind Max Liebermanns Hinterlassenschaft, sondern auch seine Briefe und Erinnerungen. Im April 1932 war zum letzten Mal seine Stimme in einer öffentlichen Rundfunksendung zu hören und er erzählte für die Berliner Jugend aus seiner eigenen Kindheit und Jugend in seiner Heimatstadt Berlin. Max Liebermann, der zu seinem 80. Geburtstag 1927 zum Ehrenbürger ernannt worden war, musste mit dem Beginn der NS-Diktatur die Demontierung seines gesamten Schaffens und Wirkens in Deutschland erleben. Die gewaltige Macht des neuen Antisemitismus erschütterte ihn zutiefst. „Für mich ist die Zeit vorbei und begraben. Wir haben nur noch an die Jugend zu denken und an deren Unterstützung, d.h. sie vor dem Untergange zu bewahren.“ schrieb Max Liebermann kurz vor seinem Tod im Februar 1935.
Die Zeit, die „vorbei und begraben“ war, war die Zeit eines deutsch-jüdischen Lebens, die Max Liebermann als Künstler aus dem 19. Jahrhundert, über das deutsche Kaiserreich und die Weimarer Republik bis zu ihrem Ende 1933 erlebt hatte.
(Text: Dr. Marlies Obier)

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der VHS Siegen statt. Veranstaltungsort ist die VHS Siegen, Vortragsraum 1.05, 1.OG im KrönchenCenter, Markt 25 in Siegen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 

Sonntag, 30.10., 16 Uhr

Wann werden „Schwerter zu Pflugscharen“?
Ein Vortrag von Pfr. i. R. Matthias Weissinger

Dieses Kurzzitat und sein Bild gehört zu den wenigen Worten und Bildern aus der jüdischen Bibel, die in unserer Zeit und unserem Land bei abnehmender Bibelkenntnis immer noch einen hohen Bekanntheitsgrad besitzen. Bekannt ist es durch Aufnahme seines Bildes in Politik, Philosophie, Musik und bildender Kunst. Nicht zuletzt durch seine Verwendung als Logo der Bürgerrechtsbewegung in der DDR sowie seine Benutzung als Symbol in der (auch kirchlichen) Friedensbewegung in Ost wie West. Weltweit bekannt wurde es durch die Skulptur eines russischen Künstlers, die die Sowjetunion 1959 der UNO für ihren Garten in New York schenkte.

Weniger bekannt und bedacht ist es, daran zu erinnern, wo und wie, wie oft und als was dieses Zitat geschrieben steht: nämlich sowohl beim Propheten Jesaja zu Beginn des 2. Kapitels als auch beim Propheten Michah im 4. Kapitel, jeweils in beinahe gleichlautenden Versen. Einmal als Bericht einer prophetischen Vision einer Abfolge und interessanten Reihung von endzeitlich weltgeschichtlichen Entwicklungen. Einmal als eine prophetische Vorhersage derselben. Sie handeln beide von einem (neuen) Verhalten der Völker und ihrem Verhältnis zum (jüdischen) Volk und Land der Thora des Gottes Israels. Beide Bibelstellen sind dort der Form nach kein Gebot, schon gar kein zeitloses. Auch keine zeitlos nur gute Idee als politisch jederzeit richtige Praxis.

Der Vortrag will die für Israel, Kirche und die ganze Welt spannende Titelfrage mit Mi 4,1ff und Jes 2,1ff im Einzelnen beantworten. Ernst Bloch nannte in seinem „Prinzip Hoffnung“ die biblische Prophetie von Mi 4 und Jes 2 das „Urmodell der pazifizierten Internationalen“. Die geplante Aussprache zum Vortrag soll solches hoffentlich lehrreich weiter diskutieren.
(Text: Matthias Weissinger)

Der Vortrag findet bei der ESG, Bahnhofstraße 3 in Siegen (Fußgängerzone Unterstadt) statt. Der Eintritt ist kostenfrei. Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 26.10.2022 per E-Mail an cjz.siegen@t-online.de oder an eeb@kirchenkreis-siegen.de. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen statt. Bei Kaffee und Kuchen möchten wir mit Ihnen diesen interessanten Vortrag verfolgen.

 

Bitte beachten Sie beim Besuch aller Veranstaltungen die aktuell gültigen Coronaschutzbestimmungen.