Veranstaltungen 2021

November 2021

Unsere Veranstaltungen im November 2021

Dienstag, 02.11., 19.00 Uhr 

„Von Gott reden – im Land der Täter“

Vortrag von Dr. Norbert Reck (München)

Veranstaltungsort: Gemeindezentrum Christuskirche, Obenstruthstr. 8, Siegen

Mitveranstalter: Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen

 

Wenige Tage nach dem 9. November 1938 predigte der evangelische Pfarrer Helmut Gollwitzer in Berlin: „Was muten wir Gott zu, wenn wir jetzt zu Ihm kommen und singen und die Bibel lesen, beten, predigen, unsere Sünden bekennen, so, als sei damit zu rechnen, dass Er noch da ist und nicht nur ein leerer Religionsbetrieb abläuft!“  Andere Christen fragten unschuldig, wie Gott die Plünderungen und Zerstörungen der jüdischen Gotteshäuser und Geschäfte zulassen konnte. Und die Juden blickten in jenen Tagen noch mit ganz anderen Augen auf Gott. Angesichts der Verfolgungen und Morde ist das Reden von Gott im „Land der Täter“ nicht mehr abstrakt – und auch nicht unschuldig. Der Theologe Norbert Reck erinnert an den 9. November 1938 und geht der Frage nach, was wir tun, wenn wir von Gott reden – damals und heute.

Dr. Reck gehört seit vielen Jahren zu den Theologen, der sich intensiv mit den histo­ri­schen und theologischen Ursachen und Folgen christlicher Schuld und Verant­wor­tung im Blick auf Antijudaismus und Antisemitismus aus­einandersetzt.

→ Anmeldung bis 2. November, 16 Uhr unter cjz.siegen@t-online.de

 

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Mittwoch, 10.11., 20.00 Uhr

Die Judenbank – Ein Volksstück

Veranstaltungsort: Gebrüder-Busch-Theater, Bernhard-Weiss-Platz 1, Hilchenbach-Dahlbruch

Veranstalter: Gebrüder-Busch-Kreis, Hilchenbach-Dahlbruch

Ordnung ist ein hohes Gut! Dies gilt nicht zuletzt in verbrecherischen Polit-Systemen. Auch Diskriminierung, Verfolgung und Mord müssen „ordentlich“ vor sich gehen, brauchen Anleitungen und Anweisungen, die zu befolgen sind, verlangen nach bürokratischem Handeln in hierarchischen Strukturen. Nach der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 erhalten immer mehr Park- und Ruhebänke in Deutschland Schilder mit der Aufschrift „Nur für Arier“. So wird auch die Lieblingsbank des schwer versehrten Dorfbewohners Dominikus Schmeinta eines Tages „dekoriert“. Allerdings – und so schafft der Autor die Grundlage der Groteske – steht auf dem Schild: „Nur für Juden“. Damit ist die Bank für Dominikus tabu, ihre Benutzung strafbar. Da Dominikus ein gesetzestreuer Bürger ist, fügt er sich der Anordnung. Aber er denkt nach: Wenn auf „seiner“ Bank nur Juden sitzen dürfen, dann will er eben Jude werden. Er schreibt an das „Rassehauptamt“, um „die Aufrechterhaltung seines Sitzgewohnheitsrechtes zu erbitten“. Er betont seine politische Harmlosigkeit und Zuverlässigkeit: „Ich tät den Führer schon auch unterstützen,…“. Auf seine Bank und das Ausruhen dort möchte er allerdings nicht verzichten! Ein grotesk-tragikomisches Geschehen entwickelt sich auf der Bühne. Es gibt viel Komik, Anlässe zu Lachen, das einem aber zuweilen im Halse stecken bleibt. Dem, der glaubt, dies alles sei „Geschichte“, ist nicht zu helfen!

„Die Judenbank“ beschreibt das Leben in einem kleinen Dorf in der deutschen Provinz unter der Naziherrschaft. In kurzen, witzigen und pointierten Anekdoten wird beinahe beiläufig über die alltägliche Korruption, Machtanmaßung, Denunziation und tödliche Gewalt im Dritten Reich berichtet.  Im Stück wird von einer verrückten Begebenheit, von Dummheit, Heuchelei und Bauernschläue erzählt. Die Geschichte von dem einfachen, schwer versehrten Dorfbewohner Dominikus Schmeinta, der eines Tages nicht mehr auf seiner Lieblingsbank sitzen darf, weil darauf ein Schild befestigt ist: „Nur für Juden”.  Dominikus versteht die Welt nicht mehr und beginnt, über die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf das Leben in seinem Dorf zu grübeln. Die tragikomische Pointe: Er ist einer, der Verbote und Gebote achtet. Und wenn auf seiner Bank nur ein Jude sitzen darf, dann will er eben Jude werden. Ein verlogenes Idyll, ein Dorf, in dem sich eine Epoche widerspiegelt, kritikloses Mitläufertum, der ganz gewöhnliche Faschismus.

Bänke mit der Aufschrift „Nicht für Juden“ waren einmal Realität in Deutschland und Ausdruck der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten. Mit Mitteln der Groteske beschreibt der Autor, Reinhold Massag, die Begebenheiten rund um eine „Judenbank“ mit umgekehrter Aufschrift. Es gibt komische Momente, auch befreiendes Lachen, das einem manchmal jedoch im Halse stecken bleibt.  Lars Wild verkörpert nicht nur Dominikus Schmeinta, sondern schlüpft in die Rollen sieben weiterer Dorfbewohner.

Besetzung  Spieler: Lars Wild  Ausstattung: Bettina Plesser  Dramaturgie: Constanze Henning  Regie: Team

Der Spieler Lars Wild  *1969, Schauspiel-, Gesangs- und Tanzunterricht in New York, Zürich und Berlin / diverse TV-Produktionen / Engagements bei verschiedensten Theaterproduktionen, u.a. HB-Theatre New York, UBU-Theatre New York, Freies Theater München, Tiyatrom Berlin Amsterdam, Theatersport, Theater an der Angel Magdeburg, Max-Beckmann-Saal Berlin / diverse Gastauftritte an Berliner Bühnen und anderen Theatern in Deutschland und der Schweiz / drei Solostücke im Repertoire / seit 1999 beteiligt an zahlreichen Inszenierungen des Theaters Poetenpack: „Offene Zweierbeziehung“ von Dario Fo, Improvisationstheater „Skatchmo“, „Geliebter Mars“ von Wilfried Happel, „Casablanca“ Film-PlaybackTheater, „Männerhort“ von Kristof Magnusson sowie „Zwei Herren aus Verona“, „Viel Lärm um nichts“, „Der Widerspenstigen Zähmung“, „Ein Sommernachtstraum“, „Maß für Maß“, „Ende gut, alles gut“ und „Was ihr wollt“ von William Shakespeare sowie „Der Menschenfeind“ von Molière in der Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger

Karten erhältlich über den Gebrüder-Busch-Kreis.

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Mittwoch, 24.11., 19.00 Uhr

Hauptinhalte der Weihnachtsbotschaft, die nicht in der Weihnachtsgeschichte stehen – von christlicher Botschaft und
jüdischer Geschichte

Vortrag von Pfr. i.R. Matthias Weissinger

Veranstaltungsort: Ev. Studierenden-Gemeinde (ESG), Bahnhofstraße 3, 2. OG, 57072 Siegen (Fußgängerzone Unterstadt)

Mitveranstalter: Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen

Was ist „die“ Weihnachtsgeschichte? Gibt es nur eine Geburtsgeschichte Jesu? Nein. Gibt es die wahre oder die „historisch-kritisch“ wirkliche? Die bekanntesten beiden sind bei uns im Lande wohl immer noch die in d. Evgl. Lukas 2 und Matthäus 2. Beide sind jüdische Geschichten, damals selbst noch keine „christlichen“. In welcher von beiden steht da zum Beispiel (neben anderem) jeweils was?

In Lk 2 verkündigt der Engel den Hirten auf dem Felde „große Freude, die dem ganzen Volke“ (also ganz Israel und nicht jedem) „widerfahren wird„. Was aber widerfuhr hernach dem Kinde namens Jesus und seinem Volke, dem Judentum durch Rom und sein späteres Christentum? Viel Kreuz und Leid bei wenig Freud durch jene.

Und in Mt 2 wird „der neugeborene König der Juden“ (später als „INRI“ von Rom gekreuzigt) gewollt in starker Analogie zur langen biblischen Geschichte Israels (nach ihr noch nicht am Ende) geschildert. Als Sohn Davids mit Stern (der Weisen von weither) und Flucht der jungen Familie vor dem Kindermörder Herodes nach Ägypten.

Ein Hauptinhalt in sog. „Weihnachtsbotschaften der beiden großen christlichen Kirchen“, ihrer Leader und Lieder auch in vielen Dorfkirchen, ist ganz sicher nach wie vor: „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute„. Solches ist nach Horkheimer und Adorno (In: „Elemente des Antisemitismus / Grenzen der Aufklärung“) das „proton pseudos“ („Erzlüge“). Findet man von der sog. Menschwerdung Gottes in Jesus nun was in Lk 2 oder in Mt 2? Nein. So gut wie gar nichts.

Solchen Fragen und Fakten will sich der Vortrag so namentlich und intensiv wie möglich widmen. Spannend. Nicht nur „mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht„, „Heilignacht“ und wenn „am Weihnachtsbaume die Lichter brennen„. (Text Matthias Weissinger)

 

 

 

 

 

→ Anmeldung bis 23. November, 16 Uhr unter cjz.siegen@t-online.de