Januar 2021

Unsere Veranstaltungen im Januar 2021

GEDENKEN IM WOHNZIMMER
Am 27.01.21 ist der internationale Holocaustgedenktag!
Pandemiebedingt finden leider in diesem Jahr keine Präsenzveranstaltungen statt. Dennoch soll das Gedenken nicht ausfallen!
Wir, das sind unsere Partner im Emek Hefer in Israel, der Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein und die CJZ Siegerland, laden daher zu einem gemeinsamen Gedenken im Wohnzimmer ein. Wir begrüßen via Zoom Frau Hannah Malka, die älteste noch lebende Zeitzeugin des Ghetto Theresienstadt. Sie ist deutschsprachig und wird ihre Geschichte virtuell mit uns teilen.
Beginn: 19 Uhr
Anmeldung unter: cjz.siegen@t-online.de.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

Für den Vormittagsbereich bieten wir übrigens ein Zeitzeugengespräch mit Zvi Cohen an. Dieses Angebot gilt für Schulen. Es wurden 650 Plätze vergeben. Wir freuen uns sehr über das große Interesse.
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Im Aktiven Museum Südwestfalen findet üblicherweise jedes Jahr zum Holocaustgedenktag auch eine Gedenkstunde statt.
Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt Siegen, des Aktiven Museums Südwestfalen und der CJZ Siegerland.

Das Format, dass als Ersatz für fehlende Präsenzmöglichkeiten gefunden wurde, finden Sie unten.

Wir danken Kultur Siegen für die professionelle Aufarbeitung!

 

Februar 2021

 

Unsere Veranstaltungen im Februar 2021

Donnerstag, 18.02., 19 Uhr

Ich möchte nicht Goethe sein

Wir laden herzlich zu einer Zoomveranstaltung mit Frau Dr. Marlies Obier und Werner Stettner, katholischer Vorsitzender der Gesellschaft, ein.

Der Vortrag mit Lesung unter dem Titel „Ich möchte nicht Goethe sein“ beschäftigt sich mit dem 1786 in Frankfurt am Main geborenen und 1837 in Paris gestorbenen, Ludwig Börne.

Ludwig Börne feierte die Sterne der Literatur, liebte die Sprachkunst und verurteilte alle Sünden gegen sie scharf. Im Gegensatz zu Goethe, den er als „Hofdichter“ kritisierte, lebte er als freier „Zeitschriftsteller“ und machte das Kaffeehaus zu seinem Arbeits- und Besuchszimmer.

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Nach erfolgter Anmeldung per Mail unter cjz.siegen@t-online.de wird kurz vor der Veranstaltung ein Einladungslink für die Teilnahme per Zoom, zur Verfügung gestellt.
Eine gesonderte Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

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Woche der Brüderlichkeit 2021

 

 

 

 

28. Februar – 28. März 2021

„Speaking Art“ – Kunstwerke israelischer Kinder und Jugendlicher von 1987 bis 2020 aus der Sammlung Anat und Ehud Shamai (Emek Hefer/Israel)

Kunstausstellung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V. zur Woche der Brüderlichkeit mit dem Thema „…zu Eurem Gedächtnis: Visual History“

Schirmherr: Landrat Andreas Müller
Mitveranstalter: Kultur Siegen

Sonntag, 28.02., 16 Uhr  Vernissage      

Die Kunstwerke israelischer Kinder und Jugendlicher transportieren Gedanken, Erfahrungen, Freuden und Sorgen. Das Künstler- und Sammlerehepaar Anat und Ehud Shamai kommt aus dem Partnerkreis Emek Hefer in Israel und stellt authentische Werke von israelischen Kindern im Alter von 2 bis 18 Jahren aus. Einige der Kinder und Jugendlichen sind heute praktizierende Künstler*innen.
Zuvor war die Ausstellung in der Klax Kinderkunstgalerie in Berlin zu sehen.

 

 

 

 

 

 

Anat und Ehud Shamai

 

Die Vernissage findet via Zoom statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung unter cjz.siegen@t-online.de ist erforderlich. Der Einladungslink wird kurz vor der Veranstaltung versandt. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

Die Ausstellung befindet sich in der Städtischen Galerie „Haus Seel“, Kornmarkt 20 in Siegen. Wir hoffen, dass sie, unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregelungen, besucht werden kann.
Bitte achten Sie diesbezüglich auf die zum Ausstellungszeitpunkt gültigen Bestimmungen!
(aktuelle Informationen: s. unten!)

Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung (https://www.lwl-kulturstiftung.de) gefördert. Es ist eines von 24 Projekten, die im Rahmen des Förderschwerpunktes der LWL-Kulturstiftung zum diesjährigen Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt werden.

 

04.03.21: Der Film, der im Bezug auf die Vernissage entstanden ist, kann nun online auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden.
Hier der Link zum Film:  https://youtu.be/Vh6F4SraXJ0
Wir wünschen viel Vergnügen beim Eintauchen in die Ausstellung!

 

09.03.21: Die Ausstellung ist ab heute für Besucher:innen geöffnet!!!

Das Ganze funktioniert folgendermaßen:
– Die Ausstellung wird dienstags bis freitags in der Zeit von 17 bis 19 Uhr und samstags und sonntags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr, bis 27.03.21, geöffnet sein.
– Die Finissage am Sonntag, 28.03.21, 16 Uhr erfolgt virtuell via Zoom. Anmeldungen bitte über cjz.siegen@t-online.de .
– Im Ausstellungsraum dürfen sich 7 Besucher:innen, unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, gleichzeitig aufhalten.
– Unter 0271 – 404/1447 werden Anmeldungen entgegen genommen. Die Termine werden halbstündlich vergeben.
– Zur Kontaktnachverfolgung müssen die persönlichen Daten hinterlegt werden.
– Den Gang durch die Ausstellung können Sie anhand eines eigens dafür entwickelten Films durchführen. Nutzen Sie bevorzugt den in der Ausstellung vorhandenen QR-Code. Sie können sich  dann frei im Ausstellungsraum bewegen und  den Film auf Ihrem Handy, bei Ihrem Rundgang, anschauen. Alternativ steht ein Laptop zur Verfügung auf dem der Film stationär abläuft. Über diesen Link gelangen Sie übrigens auch zum Film: https://youtu.be/b0gPn0e9TJA .

Wir danken Kultur Siegen für die tolle und auch mutige Zusammenarbeit!!!

 

                                                              

 
 
 
 
 
 
 
 

März 2021

 

Unsere Veranstaltungen im März 2021

 

Sonntag, 07.03., 16.30 Uhr

Ernst Bachrich – ein Portrait   
mit Pianist Alexander Breitenbach (Siegen)

Ernst Bachrich (1892-1942) war ein Schüler und enger Mitarbeiter Arnold Schönbergs in Wien. Als Gründungsmitglied dessen Gesellschaft für musikalische Privataufführungen, Pianist und Komponist gehörte er zu den wichtigsten Protagonisten der Zweiten Wiener Schule.

Nach Kapellmeistertätigkeit in Düsseldorf und Duisburg kehrte er nach Wien zurück, wo er sich nach dem „Anschluss“ gegen die zunehmende Verdrängung aus dem Musikleben zur Wehr setzte. Im Mai 1942 wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft deportiert und im Juli desselben Jahres im Nazi-Vernichtungslager Majdanek ermordet. Damit geriet der herausragende Komponist und Pianist der Zweiten Wiener Schule ins Abseits der Musikgeschichte.

In seinem Programm möchte der Künstler seine faszinierenden Werke wiederentdecken und Bezüge zu seinen Zeitgenossen wie Berg, Debussy, Reger, Schönberg und weiteren Komponisten aufzeigen.

Alexander Breitenbach
Der 1997 geborene Pianist Alexander Breitenbach begann 2004 seine Ausbildung bei der Klavierdozentin Evelyn Rück an der Fritz-Busch-Musikschule im nordrhein-westfälischen Siegen. Seit 2015 studiert er an der Hochschule für Musik und Tanz Köln in der Klasse von Prof. Dr. Florence Millet. Neben seiner solistischen Tätigkeit ist er als Liedbegleiter und Kammermusiker aktiv. 2019 begann er seine Lehrtätigkeit an der HfMT Köln.
Schon früh nahm er erfolgreich an nationalen und internationalen Wettbewerben und Meisterkursen teil. So gewann er mehrmals erste Preise und Sonderpreise bei Jugend musiziert sowie den van Bremen
Klavierwettbewerb und den Internationalen Grotrian Steinweg Klavierspielwettbewerb. Zudem erhielt er sowohl den Ferdinand Trimborn-Förderpreis NRW als auch den Förderpreis der Busch-Brüder Siegen und ist Stipendiat des Richard Wagner Verbands Bergisches Land sowie Stipendiat von Yehudi Menuhin Live Music Now. Die Möglichkeit als Solist mit Orchester aufzutreten erhielt er erstmals im Alter von 14 Jahren. Später folgten Auftritte mit der Philharmonie Südwestfalen, dem Sinfonieorchester Wuppertal sowie als Gewinner eines Auswahlwettbewerbs mit dem Orchester der Musikhochschule Köln. 
Ein wichtiger Aspekt seines Schaffens ist die Beschäftigung mit Werken verfemter Komponisten.

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung findet via Zoom statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung unter cjz.siegen@t-online.de ist erforderlich. Der Einladungslink wird kurz vor der Veranstaltung versandt. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit statt.
Dieses Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung (https://www.lwl-kulturstiftung.de) gefördert. Es ist eines von 24 Projekten, die im Rahmen des Förderschwerpunktes der LWL-Kulturstiftung zum diesjährigen Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt werden.

09.03.21: Das Konzert kann nun auch online auf unserem YouTube-Kanal angeschaut und gehört werden:

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Donnerstag, 18.3., 19 Uhr         

Erinnerung und Holocaust – Chancen, Grenzen, Grenzüberschreitungen    
Vortrag von Dr. Jens Aspelmeier (Siegen)

Jede Generation erzählt die Vergangenheit neu. Dabei wird unser Geschichtsbild und die jeweilige Vermittlungspraxis in Schule, Museen und Gedenkstätten geprägt von Politik und Gesellschaft, von Wissenschaft und Medien. Aber wie entstehen unsere Geschichtsbilder und was beeinflusst unser Geschichtsbewusstsein?

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Politik und Geschichte? Welche kontroversen Formen der Erinnerungskultur entstehen dabei? Und welche Aufgabe haben Schulen und Geschichtswissenschaft angesichts einer bisweilen provokanten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit? Der Vortrag zeichnet Stationen und Formen einer Geschichte der Erinnerung nach und fragt anhand ausgewählter aktueller Beispiele nach einer Zukunft der Erinnerung im 21. Jahrhundert. 

Dr. Jens Aspelmeier
Historiker und Direktor Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Siegen, Leiter für das Lehramt Gymnasium/Gesamtschule

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Veranstaltung findet via Zoom statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung unter cjz.siegen@t-online.de ist erforderlich. Der Einladungslink wird kurz vor der Veranstaltung versandt. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit statt und wird gemeinsam mit dem Aktiven Museum Südwestfalen angeboten.
Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung (https://www.lwl-kulturstiftung.de) gefördert. Es ist eines von 24 Projekten, die im Rahmen des Förderschwerpunktes der LWL-Kulturstiftung zum diesjährigen Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt werden.

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Donnerstag, 25.03., 15.30 bis 17 Uhr

Virtueller Gang durch die Unterstadt entlang der Erinnerungsorte zum Nationalsozialismus

Außerdem dürfen wir uns auch noch auf unsere 1. virtuelle Stadtführung, die wir gemeinsam mit dem Aktiven Museum Südwestfalen anbieten, freuen.

Peer Ball führt die Teilnehmenden durch die Unterstadt, entlang der Erinnerungsorte zum Nationalsozialismus.

Die Führung folgt, neben den Biografien jüdischer Opfer des Nationalsozialismus entlang einiger Stolpersteine, auch den Spuren der Siegerländer Arbeiterbewegung und ihrer Opfer unter der NS-Diktatur. Daneben wird anhand der Geschichte der Sandstraße, entlang der Orte ehemaliger Lokalitäten und Geschäftshäuser, einiges zur Stadtgeschichte zu erfahren sein.

Anmeldung bis Donnerstag, 25.03.21, 14 Uhr per Mail an cjz.siegen@t-online.de.

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Donnerstag, 25.03., 19 Uhr       

„Nie wieder“
Vortrag von Oliver Vrankovic (Tel Aviv)

Oliver Vrankovic zeigt anhand von Lebensgeschichten auf, was „Nie Wieder!“ für Israel bedeutet. Auf der Basis von Lebensgeschichten beschreibt er den Erfahrungszusammenhang zwischen der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden und der Bedrohung Israels durch eliminatorisch gesinnte Feinde und erörtert den Umgang Israels mit dieser Bedrohung. Der Vortrag macht deutlich, wie die Erinnerung an die Shoah und das Eintreten für die Sicherheit Israels zusammengehören.

Oliver Vrankovic lebt und arbeitet in Tel Aviv. Bei seiner Tätigkeit in einem Elternheim hat er häufig mit Holocaustüberlebenden zu tun. Jährlich besucht er Deutschland zu 1-2 Vortragsreisen, um über seine Erfahrungen zu berichten.

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung findet via Zoom statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung unter cjz.siegen@t-online.de ist erforderlich. Der Einladungslink wird kurz vor der Veranstaltung versandt. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit statt.
Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung (https://www.lwl-kulturstiftung.de) gefördert. Es ist eines von 24 Projekten, die im Rahmen des Förderschwerpunktes der LWL-Kulturstiftung zum diesjährigen Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt werden.

30.03.: Der Vortrag kann nun auch online auf unserem YouTube-Kanal angehört werden:

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Sonntag, 28.03., 16 Uhr     

Finissage

 

 

 

 

 

 

 

Begleitend zur Ausstellung fanden Kunstworkshops via Zoom mit Kindern und Jugendlichen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein und dem Kreis Emek Hefer, unter der Federführung des Kreisjugendrings Siegen-Wittgenstein, statt. In Si-Wi waren die Jugendkunstschule Siegen-Wittgenstein und das Gymnasium Stift Keppel beteiligt.
Die Ergebnisse werden im Rahmen der Finissage präsentiert. Es sind einhundert Werke entstanden, die mit der vorhandenen Ausstellung „Speaking Art“ korrespondieren. Sie beschäftigen sich inhaltlich mit der aktuellen Lebenssituation, dem Wunsch nach Frieden, Freundschaft, Freiheit, … .

Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind. Hier der Teilnahmelink für die Zoomveranstaltung:

https://us02web.zoom.us/j/84331527227?pwd=YjJQUVI4UDU3d2xZOGNWQmpMcVEzdz09

Meeting-ID: 843 3152 7227
Kenncode: 317615

Die Veranstaltung findet im Rahmen der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit statt.
Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung (https://www.lwl-kulturstiftung.de) gefördert. Es ist eines von 24 Projekten, die im Rahmen des Förderschwerpunktes der LWL-Kulturstiftung zum diesjährigen Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt werden.

30.03.: Der Begleitfilm zur Finissage kann nun auch online auf unserem YouTube-Kanal angeschaut werden:
https://youtu.be/8KOqULmQgYY

 

Wir freuen uns sehr, dass wir zu allen* Veranstaltungen unsere Freunde im Partnerkreis Emek Hefer in Israel zuschalten dürfen.
Die Formate werden jeweils** von unserem jüdischen Vorsitzenden Alon Sander ins Hebräische übertragen!

*  Der virtuelle Rundgang findet ohne israelische Beteiligung statt.
** Die Finissage findet englischsprachig statt.

 

So sieht die Ankündigung der Veranstaltungsreihe zur Woche der Brüderlichkeit übrigens in Israel aus:
חוברת        Brotherhood Week Siegen
(den Link anklicken und dann auf das sich öffnende Fenster gehen)

April 2021

Unsere Veranstaltungen im April 2021

 
 

Mai 2021

Unsere Veranstaltungen im Mai 2021

 
 

Juni 2021

Unsere Veranstaltungen im Juni 2021

 

Mittwoch, 09.06., 19 Uhr            

Erinnerung und Vergegenwärtigung
Kaddisch nach einem Lebenden (1969)
von Karl Fruchtmann

 

 

 

 

Bildquelle: Akademie der Künste, Berlin

 

Ein herausragender, aber völlig vergessener Fernsehfilm über die Schreckenserfahrung der nationalsozialistischen Konzentrationslager.

Vorgestellt von:
Günther Wedekind (Kameramann des Films) und Prof. Dr. Karl Prümm (Prof. für Literatur- und Medienwissenschaft, Philipps-Universität Marburg) mit Filmvorführung

Ort: Viktoria Filmtheater, Bernhard-Weiß-Platz 6, Hilchenbach-Dahlbruch

Eintritt frei!

Der Autor und Regisseur Karl Fruchtmann (1915 –2003) hat Terror und Gewalt der Nationalsozialisten am eigenen Leib erfahren. Unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 waren er und seine jüdische Familie, die in der sächsischen Kleinstadt Meuselwitz ein Kaufhaus betrieb, Drangsalierung und Verfolgung ausgesetzt. Mit perfiden Methoden wurde die Familie ihres Vermögens beraubt. Bevor Karl Fruchtmann 1937 nach Palästina emigrierte, war er beinahe ein Jahr in den Konzentrationslagern Sachsenburg und Dachau inhaftiert. 1958 kehrte er in die Bundesrepublik zurück und realisierte zwischen 1961 und 1999 an die 50 Fernsehfilme, darunter zahlreiche Sendungen, die sich intensiv mit der Ermordung der europäischen Juden auseinandersetzen. Karl Fruchtmann ist ohne Zweifel der wichtigste Dokumentarist und Erzähler des Holocaust im deutschen Fernsehen. Und dennoch ist er heute unbegreiflicherweise völlig vergessen.

Kaddisch nach einem Lebenden (1969) ist sein persönlichster Film. Die Hauptfigur Peri, ein Überlebender der deutschen Konzentrationslager, ist als sein alter ego angelegt, Ort des Geschehens ist das Tel Aviv der Gegenwart. Der Film konzentriert sich ganz auf die jüdischen Opfer. Terror und Gewalt der Lager werden ausschließlich in Erinnerungs- und Vorstellungsbildern dargestellt, die zunächst als Erinnerungsfragmente, als kurze Flashbacks in der Alltagswahrnehmung Peris aufblitzen, der sich der lebendigen Gegenwart Tel Avivs scheinbar ganz unbeschwert hingibt. Doch das bislang Verdrängte bemächtigt sich Schritt für Schritt der Gegenwart. Erst im Prozess der Erinnerung wird Peri schließlich das ganze Ausmaß der Entmenschlichung und des Leidens der Konzentrationslager bewusst. Um zu diesem Erkennen zu gelangen, muss Peri, der glücklich Davongekommene, ganz von sich absehen und die Erinnerung auf den von allen ausgelachten Außenseiter, auf den Mithäftling Johannes Bach lenken, der danach als eigentlicher Protagonist des Films, als standhafter Märtyrer und  Symbolfigur des Holocaust erscheint. Dieser radikale Erinnerungsfilm zeigt zudem den jüdischen Alltag in Israel präzise und detailreich – eine absolute Seltenheit im deutschen Fernsehen.

In seinen ästhetischen Mitteln ist Kaddisch nach einem Lebenden absolut auf der Höhe der Zeit. Der Film schließt sich den revolutionären Darstellungsformen der Nouvelle Vague an und adaptiert gleichzeitig das epische Theater von Bertolt Brecht. Die experimentellen Formen verbindet er mit emotionaler Wirksamkeit. Angesichts des gerade neu entfachten Antisemitismus und der Wiederkehr einer rassistisch motivierten Gewalt ist dieses eindrucksvolle Dokument der Erinnerungskultur von brennender Aktualität. Kaddisch nach einem Lebenden muss unbedingt der Vergessenheit entrissen werden.

Text: Prof. Dr. Karl Prümm

Juli 2021

Unsere Veranstaltungen im Juli 2021

 

September 2021

Unsere Veranstaltungen im September 2021

 

Mittwoch, 22.09., 19 Uhr 

Der Exodus der Juden aus der arabischen Welt & dem Iran
Diskriminierung, Flucht & Vertreibung

Vortrag von Politikwissenschaftler Dr. Stephan Grigat (Passau)

Ort: noch offen

Mitveranstalter: Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen

Würde es mit rechten Dingen zugehen, wäre bei jeder Diskussion über den Konflikt Israels mit seinen arabischen Nachbarn stets auch von der Flucht und Vertreibung nahezu aller Juden aus der arabischen Welt und aus dem Iran die Rede, die außerhalb Israels kaum im Bewusstsein sind. Die gerade auf Deutsch erschienene Studie des französischen Historikers Georges Bensoussan über „Die Juden der arabischen Welt“ ruft die Flucht von etwa 900.000 Juden aus den arabischen Ländern in Erinnerung und zeigt, dass die Radikalisierung der arabisch-islamischen Judenfeindschaft vor der israelischen Staatsgründung einsetzte und in vielen Aspekten eine Reaktion auf die partielle Autoemanzipation der Juden in den arabischen Gesellschaften war.

Der Vortrag wird die Situation der Juden in den arabischen Gesellschaften und dem Iran skizzieren, die Bedeutung der arabisch-jüdischen Flüchtlinge für Israel thematisieren und der Frage nachgehen, warum das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge aus den arabischen Ländern und dem Iran bisher kaum thematisiert wurde.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Dozent für Politikwissenschaft an der Uni Passau, Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum der Uni Potsdam und Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der Uni Haifa. Er ist Autor von „Die Einsamkeit Israels“ und Herausgeber von „AfD & FPÖ“ sowie „Iran – Israel – Deutschland“. Zuletzt hat er die Einleitung zu Georges Bensoussans Buch „Die Juden der arabischen Welt“ geschrieben, das bei Hentrich & Hentrich erschienen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmeldung im Büro!
0271-20100 dienstags und donnerstags oder
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