Unsere Veranstaltungen im November 2026
Donnerstag, 05.11., 19 Uhr
Arthur Schnitzler – Literatur in Zeiten von Antisemitismus und Umbruch
Vortrag von Peter Schmöle (Siegen)
Arthur Schnitzler (1862–1931), Sohn einer assimilierten jüdischen Medizinerfamilie in Wien, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der Wiener Moderne. Der Vortrag von Peter Schmöle zeichnet Schnitzlers Leben und Werk vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umbrüche um 1900 nach.
Im Fokus stehen seine literarischen Arbeiten ebenso wie seine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Nationalismus und gesellschaftlichen Konventionen. Schnitzlers frühe Texte über das jüdische Leben in Wien werden ebenso thematisiert wie seine Rolle innerhalb der Literaturgruppe „Jung Wien“, zu der u. a. Hugo von Hofmannsthal und Felix Salten gehörten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Dreyfus-Affäre und deren Auswirkungen auf das gesellschaftliche Klima in Österreich und Deutschland. Anhand von Schnitzlers Werken („Das Freiwild“, „Leutnant Gustl“) wird gezeigt, wie er sich kritisch mit Ehrbegriff, Militär und gesellschaftlichem Druck auseinandersetzte.
Zugleich beleuchtet der Vortrag die Ambivalenz der Wiener Moderne: kulturelle Blüte im Spannungsfeld von Kaffeehausliteratur, Psychoanalyse und aufkommendem Zionismus einerseits sowie wachsendem Antisemitismus und Nationalismus andererseits.
Schnitzlers konsequentes Eintreten für Toleranz, Frieden und Humanität – insbesondere seine kritische Haltung zum Ersten Weltkrieg – bildet den abschließenden Bezug zur Gegenwart.
Die Veranstaltung findet im Ev. Gemeindezentrum Weidenau, Setzer Weg 4, in Siegen statt. Der Eintritt ist kostenfrei. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Zusammen mit der Ev. Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein lädt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland herzlich zum Besuch der Veranstaltung ein.
Sonntag, 08.11., 19 Uhr
……und konnten es einfach nicht fassen! Eine literarische Spurensuche in finsteren Zeiten.
Figurenspiel des „Theater Töfte“(Halle/Westf.); Spiel: Ralf Kiekhöfer

Zwei junge Literaten, Klaus Mann und Erich Kästner eilen von Erfolg zu Erfolg. Nichts scheint sie aufhalten zu können und sie haben noch große Pläne. Doch dann wird das Jahr 1933 mit der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler ein existenzieller Wendepunkt, der zu neuen, unvorhergesehenen Entscheidungen zwingt.
Für Klaus Mann und und seine Schwester, die Schauspielerin und Kabarettistin Erika Mann steht fest: „Die Luft im Dritten Reich ist für gewisse Lungen nicht zu atmen. In der Heimat droht Erstickungstod!“ Sie emigrieren und versuchen mit Büchern, Vorträgen, Rundfunkaufrufen und dem Kabarett ‚Pfeffermühle‘ Einfluss zu nehmen und aufzuklären, nehmen die amerikanische bzw. britische Staatsbürgerschaft an und arbeiten dort für die Army. Erich Kästner und seine Mutter Ida Kästner bleiben die gesamten 12 Jahre bis zum Kriegsende in Deutschland. Erich will als Schriftsteller Zeitzeuge sein. Obwohl er bei der Bücherverbrennung in Berlin zusehen muss, wie seine Bücher dem Feuer übergeben werden, sieht er es als seine Berufspflicht an, Augenzeuge zu bleiben und eines Tages schriftlich Zeugnis abzulegen. Andernfalls würde er sich später den Vorwurf der Feigheit machen.
Erich Kästner und Klaus Mann verdammen beide den Faschismus und gehen dennoch komplett verschiedene Wege. Sie kämpfen und resignieren, sie lachen und weinen, sie schreiben und schweigen und können es einfach nicht fassen.
Mittels Figurenspiel wird dieses ernste Thema mit sinnlichen Bildern, spielerischer Leichtigkeit und überraschenden Ideen behandelt. Für feinen Humor sorgen Texte von Kästner und die Szenen der leidenschaftlichen Schauspielerin und Kabarettistin Erika Mann. Eindrucksvolle Tischfiguren und Objekte, geschickt ausgewählte Musik und Soundcollagen garantieren für Abwechslung und Spannung und bringen dem Publikum diese so unterschiedlichen Menschen nahe. (Text: Ralf Kiekhöfer)
Die Veranstaltung findet im Busch-Theater, Bernhard-Weiss-Platz 6-8, in Hilchenbach-Dahlbruch statt. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 10,00 €, für Schüler:innen 8,00 €. Das Stück ist für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet und dauert ca. 70-80 Minuten. Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Gebrüder-Busch-Kreis e. V. mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V.
Dienstag, 10.11., 16 Uhr
Gedenkstunde am Platz der Synagoge in Siegen
Am Dienstag, den 10. November, findet um 16:00 Uhr am Platz der Synagoge (Obergraben 10) in Siegen die alljährliche Gedenkstunde für die Opfer der Reichspogromnacht im Jahr 1938 statt. Vor 88 Jahren steckten Männer der Siegener SS und SA in der Mittagsstunde des 10. November die Siegener Synagoge unter den Blicken zahlreicher Schaulustiger in Brand. Das jüdische Gotteshaus wurde vollständig zerstört. Alle jüdischen Männer, derer man habhaft werden konnte, wurden verhaftet und ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Der 10. November 1938 markiert damit das Ende des sichtbaren jüdischen Lebens in Siegen. Die Gedenkstunde erinnert an die Schrecken der Vergangenheit und mahnt, dass jüdisches Leben in Deutschland so stark bedroht ist wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.
Moderiert wird die Gedenkstunde von der Katholischen Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V. (CJZ Siegerland) Anne Ploch. Im Anschluss spricht der Bürgermeister der Universitätsstadt Siegen, Tristan Vitt, ein Grußwort. Den zentralen Redebeitrag hält in diesem Jahr Susan Caine aus Jerusalem. Susan Caine ist eine nahestehende Bekannte der Siegener Jüdin Käthe Stern. Käthe Stern wurde 1908 in Siegen in der Sandstraße 20 geboren. Im Februar 1939 floh sie nach London, wo sie am 24. Oktober 2013 im Alter von 105 Jahren verstarb. Susan Caine arbeitet als Guide in der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Das jüdische Totengebet (Kaddisch) spricht Alon Sander, jüdischer Vorsitzender der CJZ Siegerland. Beteiligt sind weiterhin Schüler:innen des Gymnasiums „Auf der Morgenröthe“ in Siegen. Das Mitbringen von Flaggen und Transparenten ist nicht erlaubt.
Der Obergraben wird von 15:00 Uhr bis ca. 18:00 Uhr von der Einmündung Kohlbettstraße bis zum Parkhaus Unteres Schloss (ehemals Karstadt) gesperrt. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V. und das Aktive Museum Südwestfalen e. V. laden herzlich zum Besuch der Gedenkstunde ein.
Dienstag, 10.11., 18 Uhr
Antisemitismus an Hochschulen
Vortrag & Diskussion mit Andreas Stahl

Antisemitismus spielt im akademischen Kontext eine immer größere Rolle. Die Zahl dokumentierter antisemitischer Vorfälle an Hochschulen hat sich laut der bundesweiten Dokumentationsstelle RIAS im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Das gilt auch für Nordrhein-Westfalen. Und auch im Jahr 2025 ist die Anzahl an Vorfällen nicht gesunken. Dabei ist der an Hochschulen vorherrschende israelbezogene Antisemitismus nicht immer leicht zu identifizieren, weil er häufig in Form von Codes und geschichtsrevisionistischen Narrativen auftritt. Im Rahmen des Vortrags sollen typische Formen und der Verbreitungsgrad des Antisemitismus an Hochschulen beleuchtet werden.
Andreas Stahl leitet die Zentrale Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (ZeBA NRW). Er ist seit vielen Jahren in der politischen Bildung tätig, Mitherausgeber mehrerer Bücher und Gründungsmitglied der Gesellschaft für kritische Bildung (GfkB) sowie Mitglied des Centrums für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) in Aachen. (Text: Andreas Stahl)
Die Veranstaltung findet an der Universität Siegen, Hörsaalzentrum am Unteren Schloss, US-C 109, Unteres Schloss 3, in Siegen statt und nicht wie noch in unserem Halbjahresprogramm genannt im Raum US-S 002. Der Eintritt ist kostenfrei. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V. mit dem Walter-Krämer-AStA der Universität Siegen.
20.11. bis 22.11.2026
Gedenkstättenfahrt zum ehem. Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück (ausgebucht)
In Kooperation mit dem FrauenForum Siegen-Wittgenstein, dem SPD Unterbezirk Siegen-Wittgenstein, dem DGB-Kreisverband Olpe, der IG Metall Olpe, den EVG Frauen des Ortsverbands Südwestfalen, den OMAS GEGEN RECHTS Siegen und der Initiative „Jüdisches Erbe in Olpe“ bieten wir vom 20.11.-22.11.2026 eine Gedenkstättenfahrt zum ehemaligen Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück (Fürstenberg / Havel) an.
Die Gedenkstättenfahrt ist bereits seit mehreren Monaten komplett ausgebucht. Wir freuen uns über das große Interesse.
Die Gedenkstättenfahrt wird durch die Mitveranstalter sowie die Bürgerstiftung Siegen und die Katholische Erwachsenen- und Familienbildung Südwestfalen finanziell unterstützt.